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Bisher haben wir in unserem Dossier «Blockchain in der Bildung» stark auf digitale Nachweise fokussiert. Tatsächlich gibt es jedoch noch einige weitere Anwendungsfälle von Blockchains, welche sich ebenfalls im Bildungssystem etablieren könnten. Dazu zählen insbesondere Tokens und Intelligente Verträge (Smart Contracts), aber auch dezentrale autonome Organisationen (DAO).

Verortung der Technologien

Im weiteren Verlauf werden die erwähnten Technologien anhand von Beispielen kurz erläutert und auf ihre möglichen Vor- und Nachteile, sowie das Einsatzgebiet in der Bildung untersucht.

Tokens

Ein Token ist eine digitale Einheit, die auf einer Blockchain-Technologie basiert. Es kann als eine Art virtuelle Marke betrachtet werden. Tokens werden in der Regel erstellt, um bestimmte Werte oder Rechte darzustellen und zu übertragen. Tokens können im Bildungssystem Rechte, wie zum Beispiel das Recht zur Teilnahme an einer Ausbildung, aber auch monetäre Werte oder Qualifikationen darstellen. Im Gegensatz zu digitalen Nachweisen, werden beim Einsatz von Tokens in der Regel Informationen zur Inhaberin oder zum Inhaber auf die Blockchain geschrieben. Tokens eigenen sich deshalb nur bedingt zur Ausgabe von Qualifikationen. Jedoch könnten Tokens für die Zugangsberechtigung zu Bildungsressourcen dienen.

Bildungseinrichtungen wiederum können Tokens verwenden um Akkreditierungen und Zertifizierungen darzustellen. Diese Tokens wären auf einer öffentlichen Blockchain gespeichert, so dass für alle einsehbar ist, welche Akkreditierungen beispielsweise eine Universität hält.

Smart Contracts

Smart Contracts (intelligente Verträge) sind auf der Blockchain hinterlegte selbstausführende Programme, die ausgeführt werden, sobald bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Ein Smart Contract ist in der Lage, die Bedingungen automatisch zu prüfen und eine entsprechende Aktion auszulösen.

Beispielsweise kann durch ein Smart Contract die Zulassung zu einer Weiterbildung automatisch geregelt werden. Dazu erstellt eine potentielle Teilnehmerin oder ein potentieller Teilnehmer ein digitales Dossier mit den erforderlichen Qualifikationen und überweist die Ausbildungskosten als Tokens. Ein Smart Contract ist nun in der Lage, sowohl die Qualifikationen und als auch die Zahlung automatisch zu prüfen. Ist die Prüfung erfolgreich, erhalten die Teilnehmenden wiederum einen Token, der die Zulassung zur Weiterbildung signalisiert. Mithilfe von Smart Contracts lassen sich also stark standardisierte Prozesse automatisieren.

Dezentrale Autonome Organisation (DAO)

Ein DAO (Dezentrale Autonome Organisation) ist eine virtuelle Organisation, die auf Blockchain-Technologie basiert und ohne traditionelle Hierarchie oder zentrale Kontrollinstanz arbeitet. Die Governance der DAO wird, durch Smart Contracts, auf der Blockchain festgehalten und auch ausgeführt. Teilnehmende von DAOs können durch Einsatz von Tokens an demokratischen Abstimmungen teilnehmen und so gemeinsam die Strategie der DAO bestimmen.

Die möglichen Vorteile einer solchen Entscheidungsfindung liegen in der Transparenz und der demokratischen Ausgestaltung. Alle Aktivitäten und Entscheidungen innerhalb einer DAO werden auf der Blockchain festgehalten und sind für alle Teilnehmenden einsehbar. Eine DAO ermöglicht Entscheidungen effektiv, gemeinschaftlich und inklusiv zu treffen. Im Beitrag «Die Neugestaltung der Organisationen in der Bildung in einer digitalen Welt» erfahren sie mehr zum Thema DAO.

Zukunftsperspektiven von Blockchains in der Bildung

Welche der vorgestellten Anwendungsfälle eine realistische Chance auf Umsetzung in der Bildung haben, war auch Thema unserer Fachtagung zu «Blockchains in der Bildung». Diese Frage haben wir daher auch dem Blockchain-Experten Prof. Dr. Tim Weingärtner der Hochschule Luzern gestellt. Seine Sicht auf mögliche Anwendungsfälle von Blockchains in der Bildung erfahren Sie im untenstehenden Video.

Video: Stimmen zu Blockchains in der Bildung – Mögliche Anwendungsfälle von Blockchains

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Anwendungsfälle für Blockchains

Im Video wird betont, dass es wichtig ist, bei jedem möglichen Anwendungsfall zuerst sorgfältig zu prüfen, ob eine Blockchain tatsächlich benötigt wird. Der Mehrwert des Blockchainansatzes sollte klar erkennbar sein und die spezifischen Herausforderungen des jeweiligen Anwendungsfalls ansprechen. Eine kritische Evaluierung ist deshalb entscheidend, um sicherzustellen, dass die Integration einer Blockchain sinnvoll und effektiv ist. Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, ob eine Blockchain einen sinnvollen Lösungsansatz bietet, haben wir im Beitrag «Wann ist eine Blockchain-Lösung sinnvoll?» einen Kriterienkatalog zusammengestellt.

Weiterführende Literatur

ähnliche Inhalte

Über Blockchains verifizierbare digitale Nachweise könnten den oft komplexen Datenaustausch im Bildungssystem vereinfachen und stärker auf die Bedürfnisse der Lernenden ausrichten. Wie dies ganz konkret aussehen könnte, verdeutlicht eine vierteilige Videoserie zum Thema «Blockchains in der Bildung».

Eine direkte und verschlüsselte Verbindung ermöglicht den Akteuren, Daten sicher und vertraulich ohne  Drittpersonen auszutauschen. Über diese effiziente Art der Datenkommunikation können zum Beispiel digitale Nachweise ausgetauscht werden. Zudem bietet eine solche Verbindung auch datenschutzrechtliche Vorteile.

Komplexe Sachverhalte bedürfen intuitiver Erklärungen. Daher demonstrieren wir die Abläufe in Zusammenhang mit digitalen Nachweisen Schritt für Schritt mithilfe interaktiver Grafiken. Klicken Sie sich durch!

Die Blockchains haben die Technologiewelt revolutioniert und auch die juristische Welt herausgefordert. Ob sie datenschutzkonform sind, muss im Einzelfall geprüft werden. Die Art der Blockchain und die Einhaltung bestimmter Prinzipien haben dabei einen Einfluss.